Live Voting – digital gestützte Interaktion im Hörsaal

QR Code - Live Voting Umfrage
scannen oder Link anklicken und mitstimmen
Lesezeit: 4 Minuten

Beschreibung

Live Voting bezeichnet den Einsatz von Abstimmungssystemen, unter anderem auch Audience-Response-Systeme (ARS) genannt, in der Lehre. Dabei stellt die Lehrperson während der Veranstaltung über das System Fragen, die die Studierenden mittels QR-Code, PIN-Code oder Kurzlink auf ihrem Endgerät aufrufen und beantworten können. Abstimmungssysteme bieten so eine digitale Unterstützung für die Aktivierung der Studierenden sowie für die Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden in der Präsenzlehre und eignen sich daher besonders gut für große Lehrveranstaltungen.

Einsatzmöglichkeiten

Peer Instruction nach Eric Mazur (1997) von Mirco Hilbert in Anlehnung an: Eric Mazur (1997). Peer Instruction: A User‘s Manual, Prentice Hall.

Für den Einsatz von Live Voting in der Präsenzlehre gibt es verschiedene Einsatzmöglichkeiten:

  • Inhaltsbezogene Fragen zu stellen, um das Verständnis der Studierenden bzw. ihren Lernstand zu überprüfen (Pattern zur Überprüfung des Wissensstandes aus Sicht der Studierenden finden Sie hier und aus Sicht der Lehrenden hier)
  • Evaluationsfragen einzusetzen, um Feedback zu erhalten
  • Fragen von Studierenden einzuholen, um in der Lehrveranstaltung darauf eingehen zu können (nicht mit jedem Tool möglich)

Das Live Voting kann zu verschiedenen Zeitpunkten im Verlauf der Lehrveranstaltung eingesetzt werden. Zum Beispiel könnte zu Beginn des Semesters oder der Lehrveranstaltung der Wissensstand der Studierenden durch inhaltsbezogene Fragen überprüft werden, Evaluationsfragen könnten im Verlauf des Termins (z. B. um ein Feedback zum Lehrveranstaltungstempo einzuholen) oder am Ende der Veranstaltung (z. B. zur Vorbereitung des nächsten Termins) eingesetzt werden.

Die Ergebnisse des Live Votings können umgehend präsentiert und in den weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung einbezogen werden, zum Beispiel indem eine von Studierenden über das System gestellte Frage besprochen wird oder das Tempo der Lehrveranstaltung angepasst wird. Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Live Voting beschreibt das didaktische Konzept der Peer Instruction.

Peer Instruction wurde von Harvard Professor Eric Mazur Anfang der 1990er Jahre entwickelt. Hierbei setzen sich die Studierenden zuhause mit den theoretischen Inhalten auseinander (lesen z. B. einen vorgegebenen Text); in der Lehrveranstaltung werden dann in verschiedenen Schritten Anwendungsbeispiele diskutiert. Je nachdem, wie viele Studierende die Frage richtig beantwortet haben, wird im Anschluss die richtige Antwort ausführlich (bei < 30 %) oder kurz (bei > 70 %) erklärt oder es erfolgt vor der Auflösung ein Zwischenschritt (bei 30-70 %). In diesem Zwischenschritt sollen die Studierenden zunächst versuchen, ihren Tischnachbarn bzw. ihre Tischnachbarin von der ihrer Meinung nach richtigen Antwort zu überzeugen. Die Lehrperson geht dabei im Raum umher, um herauszufinden, wie die Studierenden argumentieren und gibt Hilfestellungen. Darauf folgt eine zweite Runde für die Beantwortung der Frage, die laut Mazur (1997) – das zeigen auch einige Erfahrungsberichte (z. B. Peer Instruction mit ARSnova) – zu einem im Vergleich zum ersten Durchgang besseren Ergebnis führt. Im Anschluss erklärt eine Person aus dem Plenum die richtige Lösung. Das Argumentieren für die gewählte Antwort führt laut Mazur zu einem besseren Verständnis seitens der Studierenden, und auch die Lehrperson bekommt beim Umhergehen einen Einblick in die Denkweisen der Studierenden.

Funktionen

Die Funktionen hängen davon ab, welches Tool verwendet wird. Mögliche Tools wären zum Beispiel ARSnova, Pingo, Plickers, Mentimeter oder das ILIAS-LiveVoting. Zusätzlich zu diesen webbasierten Tools, die für die Abstimmung ein internetfähiges Gerät voraussetzen (Bring Your Own Device, BYOD), gibt es auch noch die Möglichkeit, Abstimmungsgeräte (Clicker) zu verwenden. Die einzelnen Tools unterscheiden sich zum Beispiel in den angebotenen Fragetypen und Zusatzfunktionen.

Anwendungsbeispiele & Erfahrungsberichte

Vor- und Nachteile

Vorteile der genannten Abstimmungssysteme

(+) webbasiert (außer Clicker)
(+) kostenlos (mit Ausnahme von Mentimeter)
(+) Fragenimport/-export möglich
(+) anonym, keine Registrierung der Studierenden notwendig (teilweise auch nicht der Lehrenden)
(+) leichte technische Umsetzbarkeit (BYOD)
(+) verschiedene Fragetypen und Ergebnisdarstellungen

Vorteile von Live Voting

(+) unmittelbares und kontinuierliches Feedback für Lehrende und Studierende
(+) verschiedene Einsatzmöglichkeiten, je nach Zielsetzung
(+) Transparenz der Erwartungen für Studierende
(+) Auflockerung der Lehrveranstaltung

Nachteile von Live Voting

(-) nimmt Zeit während der Lehrveranstaltung in Anspruch
(-) Just-in-Time-Teaching erschwert die Planbarkeit der Lehrveranstaltung

Tipps & Hinweise zur Nutzung

Wie bei allen Formen der digitalen Unterstützung von Lehre, ist es auch hier wichtig, die richtige Dosis zu finden. Das geht einher mit der Anforderung, das Live Voting in den didaktischen Gesamtkontext der Lehrveranstaltung einzubinden. Live Votings können die Lehrveranstaltung auflockern, sollten aber nur genutzt werden, wenn sie auch didaktisch sinnvoll sind, die Ergebnisse aufgegriffen werden und tatsächlich in den weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung einfließen.

Für die Nachhaltigkeit der Fragen lohnt es sich, diese durch Import bzw. Export (zusätzlich) an einem anderen Speicherort zu hinterlegen.

Hilfreiche Links

Informationen über die Methode Abstimmung bzw. Live Voting
Informationen über Einsatzmöglichkeiten von Live Voting
Informationen zum ILIAS-LiveVoting
ARSnova-Blog mit vielen interessanten Beiträgen

Disclaimer

Dieser Text steht unter der Lizenz CC BY-SA 4.0. Das Artikelbild von Mirco Hilbert steht ebenfalls unter dieser Lizenz.
Der Text geht auf den Artikel „Abstimmung (Live Voting)“ im E-Learning-Wegweiser der JLU Gießen zurück. Der Artikel wurde inhaltlich und strukturell überarbeitet.

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